Liquiditätsplan Vorlage
ClusterAgentur5 min · 10. Februar 2025

Das Agentur-Sommerloch: So überbrückst du Juli und August

Warum Juli/August so schwierig sind

Das Sommerloch ist für Agenturen eine der gefährlichsten Phasen des Jahres. Kunden sind im Urlaub, Entscheider nicht erreichbar, Projekte pausieren oder werden auf September verschoben. Gleichzeitig laufen deine Fixkosten weiter: Gehälter, Miete, Software-Abos – alles wird pünktlich fällig.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Bei einer typischen Agentur mit 40.000 € Monatsumsatz sieht der Sommer so aus:

  • Juli: 28.000–32.000 € Umsatz (−20–30%)
  • August: 26.000–34.000 € Umsatz (−15–35%)
  • Fixkosten: bleiben bei 31.000 €/Monat (Personal, Miete, Tools)
  • Defizit pro Sommermonat: 0–5.000 €

Über zwei Monate kann sich das Defizit auf 5.000–10.000 € summieren. Das klingt überschaubar, aber wenn du keine Rücklagen hast, reicht ein verspätet zahlender Kunde, um den Dispo zu sprengen.

Warum das Sommerloch schleichend kommt

Das Tückische: Das Sommerloch beginnt nicht am 1. Juli. Es baut sich schon im Juni auf. Letzte Freigaben verzögern sich, neue Briefings kommen nicht mehr rein, und Projekte werden mit dem Satz „machen wir nach dem Sommer" verschoben. Wenn du erst Mitte Juli merkst, dass die Auftragslage dünn ist, kannst du nicht mehr gegensteuern.

7 Strategien gegen das Sommerloch

1. Im Mai/Juni für Q3 akquirieren

Starte spätestens im Mai mit der Akquise für September-Projekte. So hast du eine gefüllte Pipeline nach dem Sommer. Versende gezielt im Mai Angebote, die auf einen Start im September abzielen.

Praxis-Tipp: Erstelle eine „Back-to-Business"-Kampagne, die du Ende August an deine Kontakte sendest. Viele Unternehmen planen im September das Q4-Budget – wer dann schon ein Angebot auf dem Tisch hat, ist im Vorteil.

2. Retainer-Anteil erhöhen

Retainer-Kunden zahlen auch im Sommer. Jeder Retainer ist ein Liquiditätspuffer. Wenn du 40% deines Umsatzes über Retainer absicherst, schrumpft das Sommerloch auf ein handhabbares Maß.

Zielrechnung: 40.000 € Umsatz × 40% Retainer = 16.000 € gesichert. Selbst wenn der Projektumsatz um 50% einbricht, hast du noch 26.000 € – knapp unter den Fixkosten, aber kein Desaster.

3. Sommerprojekte aktiv anbieten

Nicht alle Branchen haben ein Sommerloch. E-Commerce-Kunden bereiten sich auf Q4 vor, Tourismusbetriebe haben Hochsaison, Getränkemarken wollen Sommer-Kampagnen. Biete gezielt Pakete für diese Branchen an.

Branchen, die im Sommer investieren:

  • E-Commerce: Shop-Optimierung und Kampagnen-Vorbereitung für Black Friday
  • Tourismus & Gastronomie: Hochsaison-Marketing
  • FMCG / Getränke: Sommer-Kampagnen
  • Events & Festivals: Kommunikation und Social Media

4. Interne Projekte vorverlegen

Website-Relaunch, Prozessoptimierung, Fortbildung, neue Case Studies erstellen – nutze die ruhige Zeit für interne Projekte, die du sonst nie schaffst.

Wichtig: Plane interne Projekte mit konkreten Deadlines und Verantwortlichkeiten. Sonst werden sie bei jedem Kundenauftrag wieder verschoben.

5. Überstunden und Urlaub managen

Mitarbeiter bauen im Sommer Überstunden und Resturlaub ab. Das spart Auszahlungen und verhindert Überstundenaufbau bis zum Jahresende.

Empfehlung: Lege eine Betriebsurlaubs-Woche fest (z.B. letzte Juli-Woche). Dann weißt du genau, wann die Agentur steht, und kannst darum herum planen.

6. Rücklagen aus Q4 und Q1 nutzen

Das Q4-Geschäft (Oktober–November) ist oft sehr stark, ebenso das Frühjahr (März–Mai). Lege mindestens 15% des Überschusses für das Sommerloch zurück.

Rücklage-Rechnung: Bei 5.000 € Überschuss in Q4/Q1-Monaten und 15% Rücklage = 750 €/Monat × 8 starke Monate = 6.000 € Reserve. Das reicht, um ein moderates Sommerloch auszugleichen.

7. Zahlungsziele verkürzen

Stelle Rechnungen für Juni-Projekte sofort nach Fertigstellung, nicht erst zum Monatsende. Jede Woche früher, die du abrechnest, ist eine Woche früher Liquidität.

Checkliste: Sommerloch-Vorbereitung

Nutze diese Checkliste, um dich rechtzeitig vorzubereiten:

  • April: Pipeline für September–Oktober füllen, erste Akquise-Maßnahmen starten
  • Mai: Retainer-Gespräche mit Bestandskunden führen, Sommer-Pakete erstellen
  • Juni: Alle laufenden Projekte abrechnen, interne Sommerprojekte planen, Urlaubsplanung finalisieren
  • Juli: Interne Projekte umsetzen, Überstunden abbauen, Kontaktpflege mit Kunden
  • August: „Back-to-Business"-Kampagne vorbereiten, September-Projekte finalisieren

Im Plan voraussehen

Der Agentur-Liquiditätsplan hat die Sommerloch-Saisonalität bereits eingebaut. Sieh sofort, wie sich der Umsatzeinbruch auf deinen Kontostand auswirkt und wie viel Rücklage du brauchst, um entspannt durch den Sommer zu kommen.

Auf der Planungsseite kannst du Szenarien durchspielen: Was passiert bei 20% weniger Umsatz im Juli? Was passiert bei 35%? Ab welcher Retainer-Quote wird das Sommerloch irrelevant?

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