Liquiditätsplan Vorlage
ClusterHandwerk5 min · 5. Februar 2025

Winterflaute im Handwerk: So überbrückst du die schwachen Monate

Das Ausmaß der Winterflaute

Im Baugewerbe und bei vielen Handwerksbetrieben brechen die Umsätze von November bis Februar um 35–50% ein. Die Fixkosten – Miete, Leasing, Grundgehälter – laufen aber weiter. Für viele Betriebe ist die Winterflaute die gefährlichste Phase des Jahres – und gleichzeitig die am häufigsten unterschätzte.

Ein Betrieb mit 35.000 € Durchschnittsumsatz macht im Januar nur ~21.000 €, hat aber weiterhin 20.000+ € Fixkosten. Die Marge wird negativ. Über vier Wintermonate summiert sich das Defizit schnell auf 20.000–40.000 €.

Warum die Winterflaute so kritisch ist

Die Kombination aus mehreren Faktoren macht die Wintermonate besonders gefährlich:

  • Frost und Dunkelheit: Außenarbeiten wie Dachdecken, Fassadenarbeiten oder Pflasterarbeiten sind kaum möglich
  • Kundenverhalten: Privatleute planen Renovierungen im Frühjahr, nicht im Winter
  • Baubranche ruht: Große Auftraggeber stoppen Bauprojekte von Dezember bis März
  • Steuernachzahlungen: Die USt-Voranmeldung für Q4 wird im Januar fällig – genau wenn die Liquidität am knappsten ist
  • Lohnfortzahlung: Mitarbeiter haben Anspruch auf volles Gehalt, auch wenn keine Aufträge da sind

-40%
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+15%
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Feb
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Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez

Die Zahlen im Detail

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Ein SHK-Betrieb mit 5 Mitarbeitern:

  • Jahresumsatz: 420.000 € (Durchschnitt: 35.000 €/Monat)
  • Mai–September: Ø 43.000 €/Monat (+23%)
  • Januar–Februar: Ø 21.000 €/Monat (−40%)
  • Monatliche Fixkosten: 22.000 € (Löhne, Miete, Leasing, Versicherungen)
  • Winterdefizit Jan/Feb: 2 × (22.000 − 21.000 × 0,6) = ca. 18.800 €

Diese Lücke muss aus den Sommermonaten finanziert werden – oder durch Kredite. Wer das nicht einplant, rutscht in den Dispo und zahlt 8–12% Zinsen.

6 Strategien gegen die Winterflaute

1. Rücklagen im Sommer bilden

In den Monaten Mai–September erwirtschaftest du den Überschuss, der den Winter finanziert. Lege mindestens 20% des Sommer-Überschusses zurück.

Konkret: Bei 43.000 € Umsatz und 22.000 € Fixkosten + 12.000 € variable Kosten bleiben 9.000 € Überschuss. Davon 20% = 1.800 €/Monat auf ein separates Rücklage-Konto. In 5 Sommermonaten: 9.000 € Reserve.

2. Innenarbeiten akquirieren

Bad-Sanierungen, Innenausbau, Renovierungen – diese Aufträge sind wetterunabhängig. Starte im September mit der Akquise für Winter-Aufträge.

Praxis-Tipp: Erstelle im August eine Liste aller Bestandskunden und frage gezielt nach geplanten Innenarbeiten. Ein Flyer „Winter-Aktion: Badezimmer-Sanierung zum Vorzugspreis" kann Aufträge generieren, die den Januar retten.

Typische winterfeste Aufträge:

  • Bad- und Küchen-Sanierungen
  • Heizungsmodernisierung (Wärmepumpe, neue Brennwertkessel)
  • Trockenbau und Dachbodenausbau
  • Elektroinstallationen im Bestand
  • Maler- und Tapezierarbeiten innen

3. Wartungsverträge aufbauen

Regelmäßige Wartung von Heizungen, Sanitäranlagen, Elektroinstallationen. Kleine, aber planbare Einnahmen. Ein Wartungsvertrag über 200 €/Jahr pro Kunde klingt wenig, aber 50 Verträge = 10.000 € planbare Einnahmen, verteilt aufs Jahr.

Vorteil: Wartungsarbeiten lassen sich hervorragend in die Wintermonate legen, wenn die Auftragsbücher dünn sind. Heizungswartung im Herbst/Winter ist für Kunden sogar logischer als im Sommer.

4. Kurzarbeit prüfen

Bei extremer Auftragslage kann Kurzarbeit die Personalkosten um 40–60% senken, ohne Mitarbeiter zu verlieren.

Wichtig: Kurzarbeit muss bei der Agentur für Arbeit beantragt werden, bevor sie beginnt. Die Voraussetzungen:

  • Mindestens 10% der Belegschaft ist von Arbeitsausfall betroffen
  • Der Arbeitsausfall ist unvermeidbar und vorübergehend
  • Die betrieblichen Voraussetzungen sind erfüllt

Mitarbeiter erhalten 60–67% ihres Nettolohns von der Arbeitsagentur. Du zahlst nur die tatsächlich geleisteten Stunden.

5. Investitionen in den Sommer legen

Neue Maschinen, Fahrzeuge oder Werkzeug im Mai–August kaufen, wenn der Cashflow es hergibt. Große Anschaffungen im Winter können den ohnehin angespannten Cashflow zum Kippen bringen.

Ausnahme: Wenn du einen günstigen Gebraucht-Deal findest, kann ein Winterkauf sinnvoll sein – aber nur mit vorhandenen Rücklagen, nicht auf Kredit.

6. Kontokorrentkredit als Puffer

Vereinbare eine Kreditlinie *bevor* du sie brauchst. Im Sommer beantragen, im Winter nutzen.

Empfehlung: Eine Kreditlinie von 1–2 Monatsausgaben (also 22.000–44.000 €) gibt dir die nötige Flexibilität. Die Zinsen zahlst du nur auf den tatsächlich genutzten Betrag. Vergleiche Angebote mehrerer Banken – die Zinssätze schwanken zwischen 6% und 14%.

Jahresplanung: Der Winter beginnt im Sommer

Ein erfolgreicher Handwerksbetrieb plant den Winter nicht erst, wenn er kommt. Hier ist ein Jahreskalender für die Wintervorbereitung:

  • Mai–Juni: Rücklage-Konto einrichten, monatlichen Sparbetrag festlegen
  • Juli–August: Wartungsverträge an Bestandskunden anbieten
  • September: Akquise für Innenaufträge starten, Winter-Aktionsangebote erstellen
  • Oktober: Materialbestand prüfen und für Innenaufträge bevorraten
  • November: Kurzarbeit prüfen, wenn Auftragslage es erfordert
  • Dezember–Februar: Innenaufträge, Wartungen, Fortbildung, Maschinenüberholung

Im Liquiditätsplan sichtbar machen

Der Handwerks-Liquiditätsplan zeigt dir auf einen Blick, in welchen Monaten dein Kontostand kritisch wird. Spiele verschiedene Szenarien durch: Was passiert bei 40% weniger Umsatz im Januar? Wie viel Rücklage brauchst du, um ohne Dispo durch den Winter zu kommen?

Gib einfach deinen Durchschnittsumsatz ein und sieh sofort, ob dein Kontostand im Winter in den roten Bereich rutscht. Dann kannst du rechtzeitig gegensteuern – statt im Februar vor einer bösen Überraschung zu stehen.

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