Liquiditätsplan Vorlage
Grundlagen6 min · 22. Februar 2025

Break-Even-Analyse: Ab wann verdient dein Unternehmen Geld?

Was ist der Break-Even-Point?

Der Break-Even-Point (Gewinnschwelle) ist der Punkt, an dem deine Einnahmen exakt deine Ausgaben decken. Darunter machst du Verlust, darüber Gewinn. Jeder Euro Umsatz über dem Break-Even ist Gewinn – jeder Euro darunter ist Verlust.

Für Gründer und kleine Unternehmen ist der Break-Even die wichtigste Zahl überhaupt. Sie beantwortet die fundamentale Frage: Ab wann verdient mein Unternehmen Geld?

Warum der Break-Even so wichtig ist

  • Für Gründer: Ab welchem Monat wird mein Unternehmen profitabel?
  • Für die Liquiditätsplanung: In welchen Monaten liege ich unter dem Break-Even (= Verlustmonate)? Genau dort drohen Liquiditätsengpässe.
  • Für Investitionsentscheidungen: Wie viel muss ich mindestens umsetzen, damit sich eine neue Anschaffung lohnt?
  • Für Preisverhandlungen: Wie weit kann ich mit dem Preis runtergehen, ohne Verlust zu machen?
  • Für die Bank: Banken und Fördermittelgeber verlangen oft eine Break-Even-Analyse im Businessplan.

Die Formel: So berechnest du den Break-Even

Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ (1 − variable Kostenquote)

Oder anders geschrieben:

Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote

Die Deckungsbeitragsquote ist der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt.

Die Begriffe erklärt

  • Fixkosten: Kosten, die jeden Monat gleich anfallen, egal wie viel du umsetzt (Miete, Versicherungen, Grundgehälter, Software-Lizenzen)
  • Variable Kosten: Kosten, die mit dem Umsatz steigen und fallen (Wareneinsatz, Provisionen, Verpackung, variable Personalkosten)
  • Variable Kostenquote: Variable Kosten ÷ Umsatz (in %)
  • Deckungsbeitrag: Umsatz minus variable Kosten
  • Deckungsbeitragsquote: 1 minus variable Kostenquote

Beispiel Gastronomie (Schritt für Schritt)

Fixkosten ermitteln:

  • Miete: 3.500 €
  • Versicherungen: 400 €
  • Steuerberater: 350 €
  • Marketing: 500 €
  • Nebenkosten: 800 €
  • Tilgung/Zinsen: 700 €
  • Sonstige Fixkosten: 500 €
  • Summe Fixkosten: 6.750 €/Monat

Variable Kostenquote ermitteln:

  • Wareneinsatz: 30% vom Umsatz
  • Personal (variable Anteile): 35% vom Umsatz
  • Variable Kostenquote: 65%

Break-Even berechnen:

  • Deckungsbeitragsquote: 1 − 0,65 = 0,35 (= 35%)
  • Break-Even: 6.750 ÷ 0,35 = 19.286 €/Monat

Interpretation: Das Restaurant muss mindestens 19.286 € Umsatz pro Monat machen, um die Kosten zu decken. Bei 20 Öffnungstagen sind das 964 € pro Tag – das heißt bei einem durchschnittlichen Bon von 25 € brauchst du mindestens 39 Gäste pro Tag, um den Break-Even zu erreichen.

Beispiel Freelancer

  • Fixkosten: 1.630 €/Monat (Krankenversicherung 700 €, Coworking 400 €, Software 200 €, StB 180 €, Sonstiges 150 €)
  • Variable Kostenquote: 30% (Steuer-Rücklage als Variable, da umsatzabhängig)
  • Break-Even: 1.630 ÷ 0,70 = 2.329 €/Monat

Bei einem Tagessatz von 600 € brauchst du nur 4 Tage pro Monat über dem Break-Even. Alles darüber ist Gewinn. Das zeigt: Freelancer haben einen niedrigen Break-Even, aber eben auch kein Sicherheitsnetz, wenn die Aufträge ausbleiben.

Break-Even nach Branchen

BrancheTyp. FixkostenVar. QuoteBreak-Even
Gastronomie6.750 €65%19.286 €
Handwerk5.150 €65%14.714 €
Agentur5.250 €65%15.000 €
Freelancer1.630 €30%2.329 €
E-Commerce7.250 €72%25.893 €
Einzelhandel5.600 €70%18.667 €

BrancheTyp. FixkostenVar. QuoteBreak-EvenTagesumsatz (20 Tage)
|---------|---------------|-----------|-----------|----------------------|

Gastronomie6.750 €65%19.286 €964 €
Handwerk5.150 €65%14.714 €736 €
Agentur5.250 €65%15.000 €750 €
Freelancer1.630 €30%2.329 €117 €
E-Commerce4.500 €75%18.000 €
Einzelhandel6.000 €60%15.000 €577 € (26 Tage)

Wichtig: Diese Werte sind Durchschnittswerte. Dein individueller Break-Even hängt von deiner spezifischen Kostenstruktur ab. Berechne ihn mit deinen eigenen Zahlen.

Was die Tabelle zeigt

  • E-Commerce hat den höchsten Break-Even, weil die variable Kostenquote am höchsten ist (Wareneinsatz + Fulfillment + Ads = 75%)
  • Freelancer haben den niedrigsten Break-Even, weil die Fixkosten minimal sind
  • Gastronomie hat hohe Fixkosten UND hohe variable Kosten – die härteste Kombination

Break-Even und Saisonalität: Die entscheidende Verbindung

Der Break-Even wird besonders relevant, wenn du ihn im Kontext der Saisonalität betrachtest. In manchen Monaten liegst du über dem Break-Even (Gewinnmonate), in anderen darunter (Verlustmonate).

Beispiel Gastronomie mit Saisonalität

Break-Even: 19.286 €/Monat. Durchschnittsumsatz: 45.000 €/Monat.

MonatSaisonaler UmsatzÜber/Unter Break-Even
|-------|-------------------|----------------------|

Januar31.500 €+12.214 € (Gewinn)
Februar33.750 €+14.464 € (Gewinn)
Juli49.500 €+30.214 € (Gewinn)
Dezember58.500 €+39.214 € (Gewinn)

In diesem Beispiel liegt das Restaurant in jedem Monat über dem Break-Even – gut. Aber: Wenn der Durchschnittsumsatz auf 25.000 € sinkt, sieht es anders aus:

MonatSaisonaler UmsatzÜber/Unter Break-Even
|-------|-------------------|----------------------|

Januar17.500 €−1.786 € (Verlust)
Februar18.750 €−536 € (Verlust)
Dezember32.500 €+13.214 € (Gewinn)

Plötzlich sind Januar und Februar Verlustmonate. Die Gewinne aus dem Rest des Jahres müssen diese Verluste ausgleichen.

So senkst du deinen Break-Even

Es gibt zwei Hebel: Fixkosten senken oder variable Kostenquote senken.

Fixkosten senken

  • Mietverhandlung: 500 € weniger Miete = Break-Even sinkt um 1.429 € (bei 35% Deckungsbeitragsquote)
  • Versicherungen vergleichen: Oft 100–200 € Ersparnis möglich
  • Software-Abos prüfen: Nutze ich wirklich alle Tools?
  • Outsourcing statt Festanstellung: Für bestimmte Aufgaben günstiger

Variable Kostenquote senken

  • Wareneinsatz optimieren: Bessere Einkaufskonditionen, weniger Schwund
  • Preise erhöhen: 5% Preiserhöhung senkt die variable Kostenquote direkt
  • Effizienz steigern: Mehr Output pro Arbeitsstunde
  • Produktmix optimieren: Mehr hochmargige Produkte/Dienstleistungen verkaufen

Im Liquiditätsplan

Die Reports-Funktion auf Liquiditätsplan Vorlage berechnet deinen Break-Even automatisch und zeigt dir, in welchem Monat du ihn erstmals erreichst. Du siehst auf einen Blick, welche Monate Gewinnmonate sind und welche Verlustmonate – und kannst gezielt gegensteuern.

Erstelle deinen Plan auf Liquiditätsplan Vorlage und finde heraus, wie viel Umsatz du wirklich brauchst, um profitabel zu sein. Probiere verschiedene Szenarien: Was passiert, wenn du die Fixkosten um 500 € senkst? Was bringt eine Preiserhöhung von 3%?

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