Break-Even-Analyse: Ab wann verdient dein Unternehmen Geld?
Was ist der Break-Even-Point?
Der Break-Even-Point (Gewinnschwelle) ist der Punkt, an dem deine Einnahmen exakt deine Ausgaben decken. Darunter machst du Verlust, darüber Gewinn. Jeder Euro Umsatz über dem Break-Even ist Gewinn – jeder Euro darunter ist Verlust.
Für Gründer und kleine Unternehmen ist der Break-Even die wichtigste Zahl überhaupt. Sie beantwortet die fundamentale Frage: Ab wann verdient mein Unternehmen Geld?
Warum der Break-Even so wichtig ist
- Für Gründer: Ab welchem Monat wird mein Unternehmen profitabel?
- Für die Liquiditätsplanung: In welchen Monaten liege ich unter dem Break-Even (= Verlustmonate)? Genau dort drohen Liquiditätsengpässe.
- Für Investitionsentscheidungen: Wie viel muss ich mindestens umsetzen, damit sich eine neue Anschaffung lohnt?
- Für Preisverhandlungen: Wie weit kann ich mit dem Preis runtergehen, ohne Verlust zu machen?
- Für die Bank: Banken und Fördermittelgeber verlangen oft eine Break-Even-Analyse im Businessplan.
Die Formel: So berechnest du den Break-Even
Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ (1 − variable Kostenquote)
Oder anders geschrieben:
Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote
Die Deckungsbeitragsquote ist der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt.
Die Begriffe erklärt
- Fixkosten: Kosten, die jeden Monat gleich anfallen, egal wie viel du umsetzt (Miete, Versicherungen, Grundgehälter, Software-Lizenzen)
- Variable Kosten: Kosten, die mit dem Umsatz steigen und fallen (Wareneinsatz, Provisionen, Verpackung, variable Personalkosten)
- Variable Kostenquote: Variable Kosten ÷ Umsatz (in %)
- Deckungsbeitrag: Umsatz minus variable Kosten
- Deckungsbeitragsquote: 1 minus variable Kostenquote
Beispiel Gastronomie (Schritt für Schritt)
Fixkosten ermitteln:
- Miete: 3.500 €
- Versicherungen: 400 €
- Steuerberater: 350 €
- Marketing: 500 €
- Nebenkosten: 800 €
- Tilgung/Zinsen: 700 €
- Sonstige Fixkosten: 500 €
- Summe Fixkosten: 6.750 €/Monat
Variable Kostenquote ermitteln:
- Wareneinsatz: 30% vom Umsatz
- Personal (variable Anteile): 35% vom Umsatz
- Variable Kostenquote: 65%
Break-Even berechnen:
- Deckungsbeitragsquote: 1 − 0,65 = 0,35 (= 35%)
- Break-Even: 6.750 ÷ 0,35 = 19.286 €/Monat
Interpretation: Das Restaurant muss mindestens 19.286 € Umsatz pro Monat machen, um die Kosten zu decken. Bei 20 Öffnungstagen sind das 964 € pro Tag – das heißt bei einem durchschnittlichen Bon von 25 € brauchst du mindestens 39 Gäste pro Tag, um den Break-Even zu erreichen.
Beispiel Freelancer
- Fixkosten: 1.630 €/Monat (Krankenversicherung 700 €, Coworking 400 €, Software 200 €, StB 180 €, Sonstiges 150 €)
- Variable Kostenquote: 30% (Steuer-Rücklage als Variable, da umsatzabhängig)
- Break-Even: 1.630 ÷ 0,70 = 2.329 €/Monat
Bei einem Tagessatz von 600 € brauchst du nur 4 Tage pro Monat über dem Break-Even. Alles darüber ist Gewinn. Das zeigt: Freelancer haben einen niedrigen Break-Even, aber eben auch kein Sicherheitsnetz, wenn die Aufträge ausbleiben.
Break-Even nach Branchen
| Branche | Typ. Fixkosten | Var. Quote | Break-Even |
|---|---|---|---|
| Gastronomie | 6.750 € | 65% | 19.286 € |
| Handwerk | 5.150 € | 65% | 14.714 € |
| Agentur | 5.250 € | 65% | 15.000 € |
| Freelancer | 1.630 € | 30% | 2.329 € |
| E-Commerce | 7.250 € | 72% | 25.893 € |
| Einzelhandel | 5.600 € | 70% | 18.667 € |
| Branche | Typ. Fixkosten | Var. Quote | Break-Even | Tagesumsatz (20 Tage) |
| Gastronomie | 6.750 € | 65% | 19.286 € | 964 € |
| Handwerk | 5.150 € | 65% | 14.714 € | 736 € |
| Agentur | 5.250 € | 65% | 15.000 € | 750 € |
| Freelancer | 1.630 € | 30% | 2.329 € | 117 € |
| E-Commerce | 4.500 € | 75% | 18.000 € | – |
| Einzelhandel | 6.000 € | 60% | 15.000 € | 577 € (26 Tage) |
Wichtig: Diese Werte sind Durchschnittswerte. Dein individueller Break-Even hängt von deiner spezifischen Kostenstruktur ab. Berechne ihn mit deinen eigenen Zahlen.
Was die Tabelle zeigt
- E-Commerce hat den höchsten Break-Even, weil die variable Kostenquote am höchsten ist (Wareneinsatz + Fulfillment + Ads = 75%)
- Freelancer haben den niedrigsten Break-Even, weil die Fixkosten minimal sind
- Gastronomie hat hohe Fixkosten UND hohe variable Kosten – die härteste Kombination
Break-Even und Saisonalität: Die entscheidende Verbindung
Der Break-Even wird besonders relevant, wenn du ihn im Kontext der Saisonalität betrachtest. In manchen Monaten liegst du über dem Break-Even (Gewinnmonate), in anderen darunter (Verlustmonate).
Beispiel Gastronomie mit Saisonalität
Break-Even: 19.286 €/Monat. Durchschnittsumsatz: 45.000 €/Monat.
| Monat | Saisonaler Umsatz | Über/Unter Break-Even |
| Januar | 31.500 € | +12.214 € (Gewinn) |
| Februar | 33.750 € | +14.464 € (Gewinn) |
| Juli | 49.500 € | +30.214 € (Gewinn) |
| Dezember | 58.500 € | +39.214 € (Gewinn) |
In diesem Beispiel liegt das Restaurant in jedem Monat über dem Break-Even – gut. Aber: Wenn der Durchschnittsumsatz auf 25.000 € sinkt, sieht es anders aus:
| Monat | Saisonaler Umsatz | Über/Unter Break-Even |
| Januar | 17.500 € | −1.786 € (Verlust) |
| Februar | 18.750 € | −536 € (Verlust) |
| Dezember | 32.500 € | +13.214 € (Gewinn) |
Plötzlich sind Januar und Februar Verlustmonate. Die Gewinne aus dem Rest des Jahres müssen diese Verluste ausgleichen.
So senkst du deinen Break-Even
Es gibt zwei Hebel: Fixkosten senken oder variable Kostenquote senken.
Fixkosten senken
- Mietverhandlung: 500 € weniger Miete = Break-Even sinkt um 1.429 € (bei 35% Deckungsbeitragsquote)
- Versicherungen vergleichen: Oft 100–200 € Ersparnis möglich
- Software-Abos prüfen: Nutze ich wirklich alle Tools?
- Outsourcing statt Festanstellung: Für bestimmte Aufgaben günstiger
Variable Kostenquote senken
- Wareneinsatz optimieren: Bessere Einkaufskonditionen, weniger Schwund
- Preise erhöhen: 5% Preiserhöhung senkt die variable Kostenquote direkt
- Effizienz steigern: Mehr Output pro Arbeitsstunde
- Produktmix optimieren: Mehr hochmargige Produkte/Dienstleistungen verkaufen
Im Liquiditätsplan
Die Reports-Funktion auf Liquiditätsplan Vorlage berechnet deinen Break-Even automatisch und zeigt dir, in welchem Monat du ihn erstmals erreichst. Du siehst auf einen Blick, welche Monate Gewinnmonate sind und welche Verlustmonate – und kannst gezielt gegensteuern.
Erstelle deinen Plan auf Liquiditätsplan Vorlage und finde heraus, wie viel Umsatz du wirklich brauchst, um profitabel zu sein. Probiere verschiedene Szenarien: Was passiert, wenn du die Fixkosten um 500 € senkst? Was bringt eine Preiserhöhung von 3%?
Jetzt deinen Liquiditätsplan erstellen
Kostenlos, branchenspezifisch und sofort als Excel exportierbar.
Plan erstellen →